Jubiläum Mediascher Infoblatt

 50 Hefte „Mediascher Infoblatt“  

Von Hansotto Drotloff

Die Redaktion von „Mediascher Infoblatt“ und „Medwescher Tramiter“ darf sich über ein neues doppeltes Jubiläum freuen. Im Sommer dieses Jahres hatten wir uns schon über 20 Jahre seit dem Erscheinen des ersten „Medwescher Tramiters“ freuen dürfen und hatten aus Anlass dieses Jubiläums einen stattlichen Band mit dem Titel „Der Medwescher Tramiter“ veröffentlicht. Nun stellt die Heimatgemeinschaft ihren Leserinnen und Lesern im Dezember 2025 das 50. Heft des „Mediascher Infoblatt“ zu!

Wir hoffen, dass dies nicht nur für das Redaktionsteam, sondern auch für die Mitglieder der Heimatgemeinschaft Mediasch und alle anderen Freunde unserer Heimatstadt ein Grund zu feiern ist. Vor 25 Jahren kam das erste „Mediascher Infoblatt“ heraus. Zwar durften die Teilnehmer am Großen Mediascher Treffen in Kufstein schon seit 1981 alle drei Jahre eine „Mediascher Zeitung“ in den Händen halten, mit Nachrichten aus der Heimat mit Erinnerungen an die sächsische Gemeinschaft in Alt-Mediasch.

Nach der Gründung der Heimatgemeinschaft im Jahre 1999 ergriff Günther Schuster die Initiative zu einer regelmäßigen Publikation des neuen Vereins und so flatterte im Dezember 2000 den Mitgliedern der HG das erste „Infoblatt“ ins Haus. War das erste Heft noch eine kleine Informationsschrift von 17 Seiten im Format A5, die neben der Einladung zum Treffen in Kufstein im Jahre 2001 die Ankündigung des regelmäßigen Erscheinens einer Vereinszeitschrift enthielt und den Aufruf, tatkräftig daran mitzuarbeiten, so erschien bereits im September 2001 ein vollständiges Heft von 28 Seiten. „Aller Anfang ist bekanntlich schwer“, lesen wir im Geleitwort zum Heft 2, aber wir lesen auch: „Es gibt jedoch keine Schwierigkeit, die man nicht in irgendeiner Art meistern kann, vor allen Dingen, wenn man eine Sache gemeinschaftlich anpackt und zu einem guten Ende führt.“ Damit wurde gleich am Anfang des Weges zum Ausdruck gebracht, was damals für den Erfolg unserer Zeitschrift entscheidend war und was es auch bis heute noch ist: die gemeinschaftliche Leistung. Zwar gibt eine Redaktion, die über lange Strecken aus nur einem Redakteur bestand, dem Blatt eine Kontur, ehe es aufgebaut wird, und auch das Layout und der „letzte Schliff“ obliegen der Redaktion. Der reichhaltige Inhalt des Blattes hängt aber von der Mitarbeit vieler ab. Und so gilt der Dank nach 25 Jahren Infoblatt allen jenen, die zum Gelingen beigetragen haben. Zahllose Autoren haben Beiträge geschrieben, haben über Aktuelles und Vergangenes berichtet, sandten uns Reportagen, Erinnerungen, (leider viel zu selten) Leserbriefe und Meinungsäußerungen zu den veröffentlichten Inhalten. Sie, liebe Leser und Autoren, haben die Hefte mit Leben erfüllt, Sie haben sie durch Bilder, Zeichnungen und Gedichte bereichert.

Mit unseren Publikationen fühlen wir uns einer langen und wechselvollen publizistischen Tradition in Mediasch verpflichtet. Viel später als Hermannstadt erwachte Mediasch aus einem „Dornröschenschlaf“, was die lokale Presse angeht. Es war G. A. Reissenberger, der Visionär am Ende des 19. Jahrhunderts, der die erste Zeitung in Mediasch herausbrachte, und auch er brauchte zwei Anläufe – 1880 und 1893. Ab da erschien das „Mediascher Wochenblatt“, 1919 von Otto Reissenberger in Mediascher Zeitung umbenannt, und informierte jeden Samstag die Bewohner der Kokelstadt über neueste Entwicklungen in der Stadt, im In- und Ausland, und es pflegte über weite Strecken ein durchaus beachtliches Feuilleton. Namhafte Mediascher zeichneten als Redakteure verantwortlich für den Inhalt des Blattes – G. A. Reissenberger, Otto Reissenberger, Gustav Schuster, Erich Waldemar Lingner, Hermann Jekeli, Heinrich Scheiner, Julius Draser, Karl Feder und zuletzt Hans Zikeli – sie alle gaben der Zeitung ihre Kontur. Vor kurzem ist es der HG Mediasch gelungen, eine komplette Sammlung von „Mediascher Wochenblatt“ und „Mediascher Zeitung“ in Pdf-Format auf unserer Homepage für jedermann online zugänglich zu machen.   

Der Bruch kam im Jahre 1944; seither erschien lange Zeit gar keine deutsche Zeitung oder Zeitschrift in Mediasch, bis vor einigen Jahren die Evangelische Kirchengemeinde ihren Gemeindebrief „Schritte“ bzw. „Kleine Schritte“ ins Leben rief. Es begann die Zerstreuung der Mediascher durch Krieg, Deportation und Auswanderung.

Ein kürzlich gemachter Zufallsfund beweist, wie groß der Bedarf nach Information und Austausch in jenen so fern scheinenden Jahren war: Bereits vor 60 Jahren wurde ein erster Anlauf genommen, die Mediascher, die im damals „freien“ Teil Europas lebten, regelmäßig und schriftlich zu informieren. Im Nachlass von Otto Folberth fand sich der erste „Neujahrsbrief an alle Mediascher in Deutschland und Österreich“. Im Dezember 1955 verfasst und mit „Die Mediascher“ unterschrieben, steht am Ende dieses Briefes der Name und die Adresse Karl Fernengels in München. So weit zurück reichen die Aktivitäten, um die Verbundenheit der Mediascher und den Informationsaustausch für sie zu organisieren. Ob es über diesen ersten Brief hinaus weitere Rundschreiben gegeben hat, konnte bisher nicht geklärt werden.

Auch der „Medwescher Tramiter“ als Unterhaltungsblatt mit satirischem Zungenschlag, in sächsischer Mundart verfasst, kann auf einen „Ahnen“ vom Kokelstrand zurückblicken. In den 1920er Jahren versuchte Schuster Dutz sich an einer sächsischen Wochenzeitschrift, die er bezeichnender Weise „Bäm Hontertstreoch“ nannte. Er wollte eine Lanze brechen für unsere Mundart, die bis dahin (und auch danach) praktisch ausschließlich mündlich gepflegt wurde. Es scheiterte schon nach einem Jahr an den widrigen Zeitumständen, denn die erhoffte Finanzierung über Firmenanzeigen – auch diese in Mundart, oft in humoristischen Versen daherkommend – blieb aus. Auch wenn der Vergleich hinkt und wir Epigonen uns sicher nicht an Dutz messen wollen, hat der Tramiter demgegenüber eine beachtliche Tradition begründet und wird es hoffentlich noch lange tun.

Zu den Archiven des Mediascher Infoblattes und des Medwescher Tramiter

Das Archiv von „Mediascher Infoblatt“ und „Medwescher Tramiter“ ist ebenfalls Pdf-Format auf unserer Homepage online verfügbar. Wir führen auch einen aktuellen Index der Beiträge im „Infoblatt“, der es interessierten Leserinnen und Lesern ermöglicht, nach bestimmten Themen zu suchen. Ein Blick auf die Indextabelle offenbart auch „Insidern“ wie z. B. einem Mitglied der Redaktion eine überraschende Zahl. Bis zum Sommer 2025 sind in unserer Publikation knapp 1740 Beiträge erschienen. Damit stellt das „Mediascher Infoblatt“ nach unserer festen Überzeugung eine wichtige Quelle zur Geschichte der sächsischen Gemeinschaft unserer Heimatstadt dar.

Blättert man die 50 Hefte Infoblatt durch, so sieht man, welche Veränderungen die Publikation in der sich rasant verändernden Medienwelt erfahren hat. Elf Jahre lang hat Günther Schuster mit großem Elan und viel Sitzfleisch Redaktion und Layout quasi als Alleinunterhalter gestemmt – und natürlich zusätzlich noch den „Tramiter“. In jener Anfangszeit wurde das Heft noch vollständig in Schwarzweißdruck in einer kleinen Druckerei in Mediasch produziert, Vierfarbdruck wäre damals für uns unerschwinglich gewesen. Ab Sommer 2008 bekam das Infoblatt zumindest einen farbigen Umschlag. Schließlich wurde Vierfarbdruck doch so erschwinglich, dass wir unsere Vereinszeitschrift seit Dezember 2015 vollständig in Farbe drucken konnten. Ein notwendiger Wechsel zu einer aufwendigen und kostspieligen Software führte 2012 schließlich dazu, dass das Layout extern vergeben wurde. In Anselm Roth vom Hermannstädter Schiller Verlag hatten wir bis zu dessen allzu frühem Tod einen treuen und sehr kreativen Partner und Freund. In die Redaktion war Hansotto Drotloff inzwischen eingestiegen, der diesen Part mit der Zeit allein übernahm, während Günther Schuster sich weiterhin auf den Tramiter konzentrierte. Seit Sommer 2020 wird das „Infoblatt“ nun wieder komplett in der HG Mediasch produziert. Hansotto Drotloff und Ingrid Fillinger kümmern sich um die Redaktion, während das Layout vollständig in die Hände von Ingrid gegeben ist. Tätige Unterstützung bekommen wir von Ritta Apfelbach-Kartmann, die das Lektorat der Texte zuverlässig besorgt. Der Tramiter wird weiterhin maßgeblich von Günther Schuster (Text) und Wolfgang Untch (Illustrationen) gestaltet. Lange Jahre war auch der kürzlich verstorbene Wilfried Römer, ein strenger Wächter über die „Reinheit“ des Mediascher sächsischen Dialekts, ein treuer Helfer in der Redaktion des Tramiter. Auch für die Mundartbeilage zeichnet inzwischen Ingrid Fillinger für das Layout und ist nicht nur dafür verantwortlich. Ihnen allen gebührt im Namen des Vorstands der Heimatgemeinschaft Mediasch ein herzliches „Dankeschön“!

So schlagen die Mediascher Zeitungen einen Bogen über die Zeit und mittlerweile über Länder und Kontinente hinweg. Wir freuen uns über eine interessierte Leserschaft, wir freuen uns, dass sie uns nach wie vor Material zur Veröffentlichung schickt. Und wir rufen allen Leserinnen und Lesern, allen unseren Freunden zu: Haltet der HG die Treue, haltet Mediasch die Treue!