16. Mediascher Treffen – Dinkelsbühl 8.-10. Mai 2026

Ein Bericht von Hansotto Drotloff

Wie schnell die Zeit doch verrinnt! Gerade, wenn ein besonderes Ereignis, das nicht allzu häufig zu erleben ist, kurz bevorsteht, sind wir doch von manchen widersprüchlichen und gleichzeitig starken Gefühlen erfasst. Freudige Erwartung mischt sich mit dem einen oder anderen bangen Gedanken – „hoffentlich wird es keine unangenehmen Überraschungen geben“, das wünscht sich ein jeder. Es gilt für die Gäste, um wieviel mehr gilt es wohl für die Organisatoren. Wenn ich heute auf das 16. Große Mediascher Treffen zurückblicke, das wir zusammen mit über 400 Mediascherinnen und Mediaschern, aber auch Freunden unserer Stadt am Muttertags-Wochenende feiern durften, so ist von diesen Gefühlen vor allem eine ganz große Freude und Dankbarkeit übriggeblieben. Das letzte Treffen im Jahre 2023 haben wohl alle noch in lebhafter Erinnerung. Es fand nach einer für uns alle schweren Zeit statt, die Zeit der Corona-Pandemie. Nach mehreren Jahren, in denen vor allem Isolation und der Wunsch, eine Ansteckung und möglicherweise schwere Krankheit auf jeden Fall zu verhindern, unser Tun und Lassen bestimmt hatte, durften wir uns nach vierjähriger „Zwangspause“ wieder versammeln und feierten ein fröhliches Fest mit zahlreichen Gästen.

Wie würde es dieses Jahr sein – das war die eine große Frage, die den Vorstand der HG Mediasch beschäftigte, als mit der Organisation begonnen wurde. Es galt, mit einer prinzipiellen Änderung im ganzen Ablauf des Treffens umzugehen: Wir würden das Catering in der Schranne nur dann buchen können, wenn für Samstagabend ein gemeinsames Abendessen vorgesehen wäre, an dem mindestens 200 Gäste fest zugesagt teilnehmen würden. Zum ersten Mal, seit das Mediascher Treffen organisiert wird, mussten wir um verbindliche Anmeldungen im Voraus bitten. Zugegeben, für die Organisatoren ist es viel leichter zu planen, wenn sie wissen, mit welcher Gästezahl zu rechnen ist. Aber würden wir unsere Mitglieder wirklich erreichen und würden sie verstehen, was auf dem Spiel stand?

Nun, um es kurz zu machen, wir haben alle Register der Propaganda gezogen – Infoblatt, Siebenbürger Zeitung, WhatsApp-Gruppen und Facebook, die ja bekanntlich heute die wichtigsten Träger der „Mund-zu-Mund-Propaganda sind. Und wir hatten Erfolg – bis zum Beginn des Treffens hatten wir 350 verbindliche Anmeldungen und mit 40 – 50 Gästen, die im Laufe des Samstags noch eintrafen, kamen auch in diesem Jahr ungefähr gleich viele Gäste wie im Jahre 2023.

Und alle, die sich seither zu dem Treffen geäußert haben, fanden nur Worte des Dankes und der Freude über ein gelungenes Fest. Auch der Wettergott hielt zu uns, so dass auch äußerlich nichts die Freude an dem Treffen trüben konnte.

Am Freitagnachmittag und Abend strömten bereits viele Gäste herbei und allen war die Wiedersehensfreude ins Gesicht geschrieben. Freudige Begrüßungen, Umarmungen, Küsschen rechts, Küsschen links – man war wieder zusammen, und es schien, als seien nicht drei Jahre, sondern nur wenige Wochen seit der letzten Begegnung vergangen.

Zum kulturellen Angebot dieses Treffens gehörte die am Freitag im kleinen Saal der Schranne eröffnete Ausstellung mit Zeichnungen von Wolfgang Untch, wohlbekannt durch seine nachdenklichen, witzigen und satirischen Illustrationen in unserer Mundartzeitschrift „Der Medwescher Tramiter“. Die während des ganzen Treffens zu besichtigende Ausstellung fand ein reges Interesse und die Arbeiten viel Anerkennung – der Künstler hatte auch einige Hefte mit Reproduktionen seiner Arbeiten mitgebracht, die sehr gefragt waren.


Hansotto Drotloff hält die Laudatio bei der Vernissage der Ausstellung mit Zeichnungen von Wolfgang Untch.

Wolfgang Untch bedankt sich und signiert das Buch zur Ausstellung.

Wie schon 2023 trafen wir uns dann in den frühen Abendstunden des ersten Tages am Denkmal der Siebenbürger Sachsen, um der lieben Heimgegangenen zu gedenken, wo wir seitens der HG einen Kranz niederlegten. Die Andacht hielt diesmal Pfarrer i. R. Imre István, der in seiner Ansprache nicht nur an die Schicksale unserer lieben heimgegangenen Verwandten und Freunde erinnerte, sondern auch an die Unruhe in unserer heutigen Welt, die von gleich zwei irrsinnigen Kriegen heimgesucht wird. So verbanden wir auch in diesem Jahr unser Totengedenken mit einem Friedensgebet für alle Menschen. Gemeinsam sangen wir zwei Lieder und lauschten den rührenden Klängen eines Trompeters der Dinkelsbühler Knabenkapelle. Nach dem gemeinsamen Vaterunser blieben die meisten noch eine Weile in dem Hain ins Gespräch oder in Gedanken vertieft, das warme Licht der Abendsonne genießend. Danach ging es zurück in die Stadt und zur Schranne, wo viele bis spät in der Nacht bei guten Gesprächen verweilten.

>> Predigt während der Gedenkstunde am Mahnmal der Siebenbürger Sachsen

 

Festveranstaltung am Samstagvormittag

 

Die Festveranstaltung am Samstagvormittag, auch in diesem Jahr wieder gekonnt moderiert von Sigrun Kelp, stand unter dem Motto „Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet und nur“, einem tiefgründigen Gedanken aus der Feder des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Zu diesem Thema zitierte sie ein Gedicht von Gudrun Martin, das sich hervorragend als Hinleitung zum Thema unserer Feier eignet.

 

Alfred Gökeler begrüßte im großen Saal der Schranne mehrere hundert Teilnehmer und zahlreiche Ehrengäste. Es sei ihm eine besondere Freude, dass die musikalischen Darbietungen bei diesem Treffen von einem guten alten Bekannten und Freund geleitet werden – Hans Leber, dessen „Mediascher Kammerchor“, beinahe besser bekannt als „Leber-Chor“, viele Jahre hindurch bei den Mediascher Treffen aufgetreten ist und uns mit seiner Sangeskunst erfreut hat. Diesmal brachte Hans Leber allerdings einen ganz anderen Chor auf die Bühne, nämlich einen „Projektchor“, der seine Gründung einer gemeinsamen Siebenbürgen-Reise von über 40 Sängern verdankt, darunter ehemalige Mitglieder des „Leber-Chors“ und zahlreiche Sänger aus dem aktuellen Wirkungskreis des Chorleiters an der Bergstraße in Hessen. Die Chorreise, über die im letzten Heft des „Mediascher Infoblatt“ ausführlich berichtet wurde, schuf eine besondere Beziehung der Sängerinnen und Sänger aus Bensheim und Umgebung zu Siebenbürgen und den Traditionen der Siebenbürger Sachsen – und die Begeisterung der Sänger durften wir Mediascher nun auch in Dinkelsbühl spüren, in Gesprächen und bei den gelungenen musikalischen Darbietungen.

Sie kommt, um zu geh’n, rieselt wie Sand
gnadenlos durch uns’re Hand.
Sie kommt, um zu geh,n, stellt keine Fragen,
nimmt und gibt an allen Tagen.

Nichts hält sie auf,sie gleitet dahin,
mal hat sie viel,mal wenig Sinn,
sie schleicht davon fast unbemerkt,
hat uns gebeutelt und gestärkt.

Läßt uns vergessen manches Leid,
heilt Wunden nach gewisser Zeit,
ist die,mit der man sich verband
und eine,die man nicht verstand.

Sie schenkt uns Muße,schenkt uns Glück
verzehrt den schönsten Augenblick,
macht alt und bleibt doch ewig jung,
ist Zukunft und Erinnerung.

Sie kommt und rieselt durch die Hand,
gnadenlos wie dünner Sand.
Vielleicht tut,s ihr ja selber leid -
s,ist halt die Zeit.      (Gudrun Martin)

„Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur“. Unter diesem Motto von Max Frisch begrüße ich alle Anwesenden von nah und fern im Namen der Heimatgemeinschaft Mediasch zu diesem sechsten Treffen hier in Dinkelsbühl und zum 16. Heimattreffen insgesamt. Alle Teilnehmer kann ich nicht namentlich und persönlich begrüßen, denn mir wurde auferlegt mich kurz zu fassen. Ein paar Personen möchte ich dennoch erwähnen und herzlich in unserer Mitte begrüßen

Ich begrüße das Ehepaar Hildegard und Gerhard Sevatius-Depner, die an diesem Treffen in vielfältiger Weise beteiligt sind, als Vertreter unserer Heimatkirche, als Vertreter der Diakonie, als Pfarrer, als Sänger und besonders als unsere Freunde und Ehrengäste. Für euch trifft unser Motto in ganz besonderem Maße zu, denn ihr habt in unübersehbarem Maße eure Aktivität in Mediasch entfaltet.

Ich begrüße Frau Ioana Pătrășcoiu, die als Nicht-Mediascherin ihr Herz sprichwörtlich in Mediasch verloren hat und sehr interessante und lehrreiche Führungen in und um Mediasch anbietet. Îi urez bun venit doamnei Ioana Pătrășcoiu, care, nefiind originară din Mediaș, și-a pierdut inima – aproape la propriu – în Mediaș și oferă tururi ghidate foarte interesante și educative în Mediaș și împrejurimi.

Ich begrüße auch Herrn Ladislau Ciocan als Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen in Mediasch, der, neben seiner Hauptaufgabe, auch dafür sorgt, dass viele und interessante Veranstaltungen im Schullerhaus stattfinden. Lieber Laci, herzlich willkommen!

Es freut mich besonders, einen Gast zum ersten Mal in unserer Runde begrüßen zu dürfen. Martin Müller, der sich als Unternehmer in Siebenbürgen eine erfolgreiche Existenz aufgebaut hat. Wer gerne Fisch, aber nicht nur das, am Fuße der Karpaten isst, weiß wovon ich spreche. Herzlich willkommen.

Einer unserer Gäste ist nicht allein gekommen, sondern hat gleich einen ganzen Chor mitgebracht! Hans Leber, ganz herzlichen Dank für Dein langjähriges Engagement. Auch hier passt unser Motto, denn aus dem „Mediascher Kammerchor“ oder besser bekannt als „Leber-Chor“, der schon zahlreiche Treffen mit seiner Gesangskunst begleitet hat, hat sich der „gemischte Chor“ entfaltet bzw. entwickelt. Es freut uns besonders, dass auch zahlreiche Sängerinnen und Sänger von der Bergstraße heute den Weg zu uns gefunden haben und wünsche allen eine gute Zeit in Dinkelsbühl.

Ich begrüße Edith Toth, die als musikalische Alleskönnerin in Mediasch auch bei unseren Treffen fast schon zum Inventar gehört. Auch Dir, liebe Edith, ein herzliches Willkommen

Auch einen weiteren Gast hätte ich gerne in unserer Mitte begrüßt, leider hat es aus Termingründen nicht geklappt. Unser Mediascher Bischof Reinhard Guib hat uns sein Grußwort geschickt, das ich gerne vorlese.

Anschließend verlas Alfred Gökeler das Grußwort unseres Mediascher Bischofs Reinhart Guib.   >>zum Grußwort

In seiner Ansprache ging Alfred Gökeler noch auf das Motto des diesjährigen Treffens ein und führte unter anderem aus:

„Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur“, man könnte auch sagen verändert uns und unser Treffen. Wir mussten zum ersten Mal auf einer Anmeldung, sowohl zur Teilnahme als auch zum Essen bestehen, was uns viel Kopfzerbrechen bereitet hat und eine andere Planung erfordert hat. Ich danke euch für die Anmeldung und Euer zahlreiches Erscheinen, denn nur dadurch kann dieses Treffen stattfinden.

Mit Imre (Öcsi) István haben wir zum ersten Mal einen Festredner aus den Reihen des Vorstands, auch das ein Novum. Ich bin sehr gespannt auf seine Ausführungen, denn wir haben ihm beim Thema freie Hand gelassen

Berichte zu unseren Aktivitäten in den letzten drei Jahren könnt ihr im Infoblatt nachlesen. In unseren regelmäßigen Sitzungen haben wir uns viele Gedanken zur Zukunft unseres Vereins gemacht. Sind die Schwerpunkte und Ziele, die bei Gründung des Vereins festgelegt wurden, noch aktuell? Sicher ist die Verbindung zu unserer Heimatstadt immer noch zentral, doch leben inzwischen die meisten Mediascher nicht mehr in Siebenbügen. Wir haben mit dem „Pelseknerrel-Chef“ sowie dem Stammtisch und Regionaltreffen in NRW zwei neue Angebote in Deutschland im Programm. Wir möchten in Zukunft unsere Aktivitäten in Deutschland weiter ausbauen. Wünschenswert ist die Mitarbeit von neuen, jüngeren Mitgliedern, dies steigert die Wahrscheinlichkeit von neuen Ideen, damit der Verein noch viele Jahre aktiv und attraktiv sein kann. Daher bitte ich euch, kommt heute Nachmittag recht zahlreich zur Mitgliederversammlung, denn mit eurer Stimme bestimmt ihr den neuen Vorstand, der die Geschicke des Vereins in die nächsten drei Jahre führen wird.

Ich freue mich auf die gemeinsamen Stunden mit euch, interessante Darbietungen unserer Künstler, auf den „Leber-Chor“, die Ausstellung mit Karikaturen von Wolfgang Untch, die Kabarett-Vorstellung von Roland Widmann, musikalisch begleitet von Edith Toth und Gerhard Servatius-Depner, eine schwungvolle Party heute Abend mit der „Harmony Band“ und den Gottesdienst am morgigen Muttertag. Das interessante und vielfältige Programm und die Uhrzeiten entnehmt ihr bitte dem Flyer.

Zu guter Letzt bedanke ich mich bei allen Helfern, die unter der Koordination von Ingrid Fillinger und Werner Hann zum Gelingen dieser Veranstaltung beitragen. Auch wenn unserer Organisation fast immer in weiblichen Händen lag, ich weiß welcher Einsatz zahlreicher Mitglieder aus dem Vorstand dahintersteckt. Mit diesem Blumenstrauß für Ingrid danke ich allen Helfern auch im Namen aller Anwesenden.

Bevor ich endgültig schließe, begrüße ich und bedanke mich bei Sigrun Kelp, die auch bei diesem Treffen die Moderation in gekonnter und origineller Weise übernimmt.

Ich freue mich auf eine intensive Zeit mit euch! „Ech wängschen allen en geat Eangderhåldung“

Blick auf die zahlreichen Teilnehmer am Treffen im Festsaal der Schranne in Dinkelsbühl.


Die Ehrengäste inmitten der zahlreichen Teilnehmer am Mediascher Treffen.

Sigrun Kelp bat nun die Ehrengäste um ihre Grußbotschaften, nicht ohne vorher jeden Redner in knappen, aber prägnanten Worten vorzustellen.


Grusswort der Kirchengemeinde

Pfarrer Gerhard Servatius-Depner


Liebe Mediascher, liebe Freunde und liebe Schwestern und Brüder!

Es rührt mich sehr, wieder bei Ihnen, bei euch, zu sein! Ich darf nun, wie vor 10 Jahren, wieder im Namen der Heimatkirche, der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Mediasch, herzlich grüßen. Es war nämlich  .weiterlesen

Grusswort des Demokratischen Forums

Ladislau Ciocan, Vorsitzender 


Liebe Mediascher Sachsen und Freunde, 

mit großer Freude möchte ich euch herzlich zum 16. Mediascher Treffen hier in der Schranne in Dinkelsbühl begrüßen. Ich möchte mich herzlich für die Einladung bedanken und freue mich sehr, heute als Vertreter  .weiterlesen


Grusswort der Diakonie

Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner


Liebe Mediascher, liebe Freunde!

Mit großer Freude und von Herzen überbringe ich euch liebe Grüße aus Mediasch – vom Diakonieverein, der in diesem Jahr auf 35 Jahre segensreiches Wirken zurückblicken darf. Menschen mit sehr viel Mut,.weiterlesen

Grusswort von „Walking Tours Mediasch“

Ioana Pătrăşcoiu, Reiseleiterin 


Grüß Gott! 

Seit ich weiß, was dieser Gruß bedeutet, mag ich ihn. Gott als gemeinsamer Freund, den wir beide kennen und der dir durch mich Grüße schickt, weil er mir zuerst begegnet ist. Gott als Nachbar, als Teil der Gemeinschaft. Wunderbar!  .weiterlesen


Nun folgte eine erste Musikeinlage von drei Liedern. Dazu zitiere ich die einleitenden Worte der Moderatorin Sigrun Kelp: „Aus dem 17. Jahrhundert stammt das Lied ‚Mein Mund, der singet‘, welches zum Auftakt unseres musikalischen Beitrags erklingt. Es hat trotz seines fortgeschrittenen Alters nicht an Aktualität verloren. Damals wie heute wollen die Menschen mit Musik die Sorgen des Alltags, die Traurigkeit, das Leid für eine Weile vergessen. So wollen wir beherzigen, was der Dichter vor 500 Jahren so ausgedrückt hat: ‚Was schert uns morgen, lasst alle Sorgen für heut vergessen sein. Frau Musica macht es möglich!‘ Es folgt ‚Liebe ist unendlich‘. Text und Musik stammen aus der Feder von Manfred Bühler. Es ist ein Lied unserer Tage – und in einer Zeit, wo viel Leid und Unheil die Menschheit aus unterschiedlichen, nicht nachvollziehbaren Gründen trifft, ist die Liebe eine große Stütze. Die Liebe, die versteht und verzeiht, die auch die leisen Töne hört, die stärkt und Vertrauen schenkt, die wärmt, trotz Kälte. Liebe, die ewig währt. Schließlich folgt noch ‚Lebe – liebe – lache!‘ von Robert Pappert, ein Lied, das uns einlädt zu feiern, froh und heiter zu sein, glücklich und zufrieden, zu lachen und sich des Lebens zu freuen.“

Der Leber-Chor beim Festprogramm.

Der Festredner dieses Jahres, Pfarrer i. R. Imre István, eröffnete seine Ansprache mit dem Bekenntnis, dass er durch das Zitat von Max Frisch: „Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet und nur“ vor eine gewisse Herausforderung gestellt wurde, da die Aussage auf den ersten Blick recht philosophisch klingt. Doch fand der Festredner schnell den unmittelbaren Bezug dieses Zitates zu unserem Leben und auch dem Leben der Gemeinschaften, in der wir leben – damit also auch zur Gemeinschaft der Mediascher, die heute in der Zerstreuung leben. Indem er aus dem Fundus des eigenen, bewegten Lebens schöpfte, nahm er uns an der Hand und forderte uns auf, über unseren eigenen Lebensweg und die dabei gemachten Erfahrungen nachzudenken, durch die sich das entfaltet hat, was uns durch Geburt und familiäre Bindung mit auf den Lebensweg gegeben wurde. Er schloss seine breit angelegte Festrede mit den Worten: ‘Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur.‘ Sie entfaltet unsere Geschichte. Sie entfaltet unsere Gemeinschaft. Sie entfaltet unseren Glauben. Sie entfaltet unser Herz. Sie zeigt uns, wer wir sind, was wir können, was wir lieben und was uns wichtig ist. Mit einem geistlichen Wunsch komme ich zum Schluss: Möge Gott uns die Kraft geben, unsere Wurzeln zu ehren und unsere Flügel zu gebrauchen. Und möge er uns die Freude schenken, an jedem Tag nicht die Verwandlung zu fürchten, sondern die Entfaltung zu entdecken.“ Für seine Rede spendete die Festgemeinde Imre István langanhaltenden Beifall.

Pfarrer i.R Imre Istvan bei seiner Festrede mit einem alten Holzpflug als Anschauungsmaterial.

Die Festrede in ihrem gesamten Umfang hier zum Nachlesen  >>>>Festrede>>>>

Ehrungen und Danksagungen

Im Anschluss an die Festrede folgten einige bewegende Momente. Im letzten Jahr durften wir bekanntlich das 20-jährige Jubiläum des „Medwescher Tramiters“ feiern. Aus diesem Anlass hat der Vorstand der HG beschlossen, den beiden „Papas“ dieses Blättchens im Rahmen der diesjährigen Festveranstaltung einen besonderen Dank auszusprechen. Die „Laudatio“ dazu hielt Ingrid Fillinger, die unter anderem folgendes ausführte: „Ich nehme mal an, dass das Heftchen des ‚Medwescher Tramiter‘ den meisten wohlbekannt ist. Im Teenager-Alter habe ich gerne Comic-Hefte oder Comic-Bücher gesammelt. Nun sind es seit vielen Jahren die Ausgaben des ‚Medwescher Tramiters‘, die ich auf altmodische, aber staubgeschützte Weise in Hängeregistern aufbewahre. Wie ihr wisst, verdankt dieses Medium seine Kontinuität vor allem seinen beiden kreativen ‚Papas‘, Günther Schuster und Wolfgang Untch. Erst nachdem mir die beiden Schöpfer die Herstellung des gleichnamigen Buches anvertraut hatten und es für mich hieß, die in 20 Jahren angesammelten Inhalte und Zeichnungen zu erfassen, wurde mir klar, wieviel Herzblut – von den Arbeitsstunden ganz zu schweigen – Günther und Wolfgang in diese einzigartigen, herzerwärmenden Publikationen investiert haben – und dies immer noch tun! Chapeau! Im Namen der Heimatgemeinschaft Mediasch und aller Tramiter-Fans – und davon gibt es viele auch außerhalb des Mediascher Orbits – möchte ich euch von Herzen Dankeschön sagen.“ Danach überreichte Ingrid Fillinger unter dem begeisterten Applaus des Publikums jedem der Beiden eine dem Tramiter-Jubiläum gewidmete Glastrophäe, an deren Gestaltung sie selber maßgeblich beteiligt war. Günther Schuster und Wolfgang Untch dankten in bewegten Worten und brachten es dabei auf den Punkt, wie wichtig ihnen der „Medwescher Tramiter“ aus der Sicht der Bewahrung und Weitergabe unserer heimischen Mundart ist.

Wolfgang Untch und Günther Schuster bei der Ehrung, mit Alfred Gökeler und Ingrid Fillinger.

Hansotto Drotloff dankte Hans Leber und den Sängern, die ihm nach Dinkelsbühl gefolgt waren und uns mit ihrem reifen Liedvortrag erfreut hatten, ganz herzlich im Namen des Vorstands und aller Gäste bei diesem Treffen und überreichte eine Flasche „Sachsenwein“ in einer besonders originellen Hülle – dem bekannten Tramiter-Modell aus Blech.

Im Namen aller HG-Mitglieder dankte Alfred Gökeler schließlich einigen der ältesten Mitgliedern des HG-Vorstands „für die vielen Jahre voller Engagement, Geduld und auch so mancher Debatten im Vorstand. Sie waren nicht nur Ratgeber, sondern auch wertvolle Stützen. Danke für eure Zeit, eure klugen Gedanken und dafür, dass ihr immer gesagt habt, was Sache ist – mit Herz und Verstand; ihr habt aktiv mitgeholfen unsere HG zu dem zu machen, was sie heute ist! Danke für alles und bleibt uns bitte auch weiterhin verbunden“.

Fritz Göckler, der kürzlich 85 Jahre alt wurde, ist in den ersten Aufbaujahren des Vereins Mitglied geworden. Seine Verbundenheit zur alten Heimatstadt hat er durch aktive Vereinsarbeit, vor allem im Friedhofsausschuss unter Beweis gestellt.

Rolf Kartmann ist schon seit dem Jahre 2000 Mitglied der HG und ist mit seinen 93 Jahren rüstig, aktiv und gesellt sich immer noch sehr gerne zu unseren Vorstandssitzungen. Als Pfarrer unserer Heimatgemeinschaft hat er zahlreiche Mediascher Treffen mitgestaltet – in Kufstein, in Dinkelsbühl und auch in Mediasch. Wir danken ihm für seine langjährige Hilfsbereitschaft.

Auch Albert Klingenspohr kam bereits im Jahre 2000 zur HG Mediasch und wird nächsten Monat 88 Jahre alt. Ihm gebührt unser Dank vor allem für sein genealogisches Mammutwerk, der Digitalisierung der Daten aus über 72.000 Einträgen in die Mediascher Kirchenmatrikeln und seiner zahllosen diesbezüglichen Recherchen. Albert ist heute noch unermüdlich engagiert und wählt sich sporadisch in unsere Onlinesitzungen ein. Leider konnte er aus Gesundheitsgründen nicht am Treffen teilnehmen.

Wolfgang Lehrer ist ein Gründungsmitglied der HG Mediasch und hat bis 2007 das Amt unseres ersten Vorsitzenden bekleidet. Danach blieb er weiter aktiv im Vorstand und hat sich leidenschaftlich um die „Mediaschhilfe – Winterspende“ gekümmert. Diesem Projekt hat er besonders viel Zeit und Energie gewidmet und es liegt ihm bis heute sehr nahe am Herzen. Wir danken ihm ganz herzlich für alles!

Helmut-Albrecht Roth (Gangi) ist ebenfalls seit 2000 der HG Mediasch treu und hat vor Jahresende noch seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er kennt Mediasch wie seine Westentasche und verbringt auch jetzt noch gerne mehrere Wochen pro Jahr in der alten Heimat. Wenn Hilfe von Nöten war, konnten wir immer seinen guten Ratschlägen vertrauen. In der letzten Amtsperiode hat er uns als Kassenprüfer unterstützt. Auch ihm gilt ein Dankeschön von Herzen! Leider konnte er aus Gesundheitsgründen nicht am Treffen teilnehmen sein.

Auch Adolf (Dolly) Schlosser gehört zu den ältesten Aktiven mit seinen bald 93 Jahren. Er wurde ebenfalls im Jahre 2000 Mitglied der HG und auch er kann aus Alters- und gesundheitlichen Gründen leider heute nicht dabei sein. Ihm gebührt unser Dank vor allem für seine Arbeit unsere Satzung an die geänderten Anforderungen unseres Vereins anzupassen. Als kleines Zeichen der Dankbarkeit erhielt jeder der so geehrten ein Exemplar des Bildbandes „Mediasch und das siebenbürgische Weinland“ von Martin Rill. Die so geehrten Freunde dankten unter dem langanhaltenden Beifall des Publikums für die Ehrung.

Die älteren Mitglieder aus dem HG-Vorstand bei der Ehrung: Rolf Kartmann, Wolfgang Lehrer und Fritz Göckler.

Zum Ausklang durften wir nochmal den Chor hören. Das bekannte und sehr beliebte Lied „Bäm Hontertstreoch“, das aus Mediasch um die Welt zog und die Herzen vieler Völker eroberte, und das von Manfred Bühler vertonte Gedicht von Elisabeth Zeitler „Wenn die Tage schnell enteilen“ passten zu dem nachdenklichen Ausblick der diesjährigen Festrede. Zum Schluss erklang der „Irische Segenswunsch“ mit dem Refrain „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Der Nachmittag begann mit der Mitgliederversammlung der HG, die auch in diesem Jahr dankenswerter Weise von Hugo Schneider von der Meschner Nachbarschaft als Wahlleiter für die Vorstandswahl geleitet wurde. Wir durften uns über knapp 140 stimmberechtigte HG-Mitglieder und zahlreiche weitere Gäste freuen – das werten wir dankbar als Zeichen des Interesses an der Arbeit des HG-Vorstands.

Zunächst legte der Vorsitzende Alfred Gökeler den Rechenschaftsbericht des Vorstands nur in knappen Worten ab, indem er darauf hinwies, dass in jeder Ausgabe des „Mediascher Infoblatts“ regelmäßig ausführlich über die Arbeit des Vorstands und die von ihm organisierten Ereignisse und Projekte berichtet wird. Kassenwart Roland Dürr erstattete den Kassenbericht für 2023 – 2025. Auf Grund des von Werner Hann vorgetragenen Berichts der beiden Kassenprüfer wurde der Vorstand ohne Gegenstimme durch die Teilnehmer entlastet. Bei der anschließenden Wahl wurde Alfred Gökeler einstimmig als Vorsitzender der HG Mediasch im Amt bestätigt. Sodann wählte die Versammlung ebenfalls jeweils einstimmig Reinhold Kraus und Ortwin Rill zu stellvertretenden Vorsitzenden, Werner Hann zum Kassenwart und Hansotto Drotloff zum Schriftführer. Als Rechnungsprüfer wurden Gert Blahm und Klaus Buresch gewählt. Als weitere Mitglieder im Vorstand wurden Carmen Blahm, Dagmar Bretz, Ingrid Fillinger, Werner Schmitz, Harald Seiler, Bernd Weinisch gewählt. Zum Abschluss der Versammlung dankte Alfred Gökeler den Anwesenden im Namen des neu gewählten Vorstands für das Vertrauen, das sie durch die Wahl zum Ausdruck gebracht hatten und sicherte den Mitgliedern der HG zu, auch in der neuen Wahlperiode das bekannt vielseitige Angebot weiter zu pflegen und zu entwickeln.  >>>>>> Mitgliederversammlung – Rechenschaftsbericht, Vorstandswahlen und Protokolle


Am Nachmitag sächsische Kabarett mit Roland Widmann:

„et wor emohl und äs nea wä et äs“

Im kulturellen Teil des Treffens folgte eine neue Ausgabe des originellen sächsischen Kabaretts von und mit Roland Widmann, unter Mitwirken von Edith Toth am Keyboard, Hans Leber am Akkordeon und Gerhard Servatius-Depner mit der Violine. In das Programm waren auch Ingrid Fillinger und Günther Schuster mit sächsischen Gedichteinlagen eingebunden.

Roland Widmann schlüpft währen des Vortrags in verschiedene Rollen ….

…. und wird tatkräftig musikalisch unterstützt von Hans Leber (Akkordeon), Edith Thoth (Keyboard) und Gerhard Servatius-Depner (Violine).

Ingrid Fillinger und Günther Schuster sind auch in dem Programm mit eingebunden.


Im Anschluss an die Vorstellung wurde es kulinarisch und gesellig. Das gemeinsame festliche Abendessen im großen Saal der Schranne war wie eingangs erwähnt ein Novum – und ich möchte es gleich hier auf den Punkt bringen, es war ein Gewinn für unser Treffen! Das Team vom benachbarten Hotel Sonne, das für das Catering in der Schranne verantwortlich ist, überraschte uns mit einem reichhaltigen Büffet, das – so kann man mit Fug und Recht sagen – keine Wünsche offenließ. Eine reiche Auswahl leckerer Salate und mehrere verschiedene warme Gerichte wurden reichlich serviert. Muss an dieser Stelle wirklich noch erwähnt werden, dass dieses reichhaltige Büffet auch zu einem erfreulich günstigen Preis angeboten wurde? Der große Saal der Schranne schien einen Bienenhaufen zu beherbergen, dessen Stimmung ich mit einem leicht abgewandelten Schiller-Zitat beschreiben möchte: „Wenn gute Reden es begleitet, dann fließt das Festessen gar munter fort.“ Ein Abend, der sicher für den Zusammenhalt und die frohe Geselligkeit der Mediascher förderlich war.

Nach dem Abendessen hieß es dann endlich „Party los“, diesmal mit der Harmony-Band im großen Saal der Schranne, deren breites musikalisches Repertoire das Publikum begeisterte – wie sehr, davon zeugte die Tatsache, dass bis weit nach der „Sperrstunde“ um 1 Uhr getanzt wurde.

 

Auch der Gottesdienst am Sonntagmorgen verlief etwas anders als gewohnt – er fand bereits um 9 h statt und nicht in der uns von früheren Treffen bekannten Paulskirche, sondern in der Heilig-Geist-Kirche. Diese bereits um 1280 für den Gottesdienst für die Kranken im angrenzenden Spital erbaute Kirche überraschte uns mit ihrer anheimelnden Atmosphäre und einem wunderbaren Deckenfresko in einem sowohl dem Rokoko als auch dem Klassizismus nahen Stil und stimmte uns auf einen feierlichen Gottesdienst ein – es war ja schließlich der diesjährige Muttertag. In der trotz der frühen Stunde gut besetzten Kirche waren drei Pfarrer am Hochamt beteiligt – Imre István, Gerhard Servatius-Depner und Hildegard Servatius-Depner, die die Predigt für diesen Sonntag Rogate hielt; an der Orgel die Mediascher Organistin Edith Toth. Beten zu Gott und die Liebe zur Mutter waren die großen Themen ihrer geistlichen Ansprache, die Pfarrerin Servatius-Depner mit folgenden Worten beschloss: „Ein Ausdruck der Liebe und der Dankbarkeit gegenüber unseren Müttern finden wir in einem Lied, das in Reichsdorf entstanden ist: ‚Det Motterhärz‘ von Georg Meyndt. Der Anlass seiner Entstehung ist eher traurig. Meyndts Ehefrau und Mutter von sieben Kindern war erkrankt. Man befürchtete das Schlimmste. Da versammelte der besorgte Vater die Kinder um das Bett der Mutter und sie sangen gemeinsam das eben entstandene Lied … ‚und sie wurde wieder gesund‘, berichtet beglückt die älteste Tochter Regina Stolz (geb. Meyndt). Das Lied spricht über die Herzlichkeit der Mutter, die Treue, die Kraft der Vergebung, über Freude und Dankbarkeit. Und es endet mit eine Aufforderung zum Gebet. Nach der Tradition, die wir in Mediasch vorgefunden haben, wird das Lied jedes Jahr zum Muttertag gesungen. Währenddessen gehen zwei Konfirmanden mit kleinen Blumensträußen nach vorne und stellen diese auf den Altar. Es ist ein stilles Gedenken an all diejenigen Mütter, denen wir keine Blumen mehr schenken können. Und doch wissen wir uns in Gottes Liebe miteinander verbunden.“ Einer anderen Tradition aus dem Muttertags-Gottesdienst in Mediasch aufnehmend überreichten wir jeder der anwesenden Frauen eine Rose. Mit großer Bewegtheit verließen die Gottesdienstbesucher die Kirche, nicht ohne eine großzügige Spende zu hinterlassen, die den Vertretern der Mediascher Kirchengemeinde zu Gunsten der diakonischen Arbeit vor Ort überreicht wurde.

>>> Die Predigt zum Sonntagsgottesdienst zum Nachlesen

Den Gottesdienst am Sonntag gestalten Hildegard Servatius-Depner, Gerhard Servatius-Depner und Imre Istvan.

Den musikalischen Part teilen sich der „Leber-Chor“ mit Kantorin Edith Thoth (Orgel) und Pfarrer Gerhard Servatius-Depner (Violine).

Zum Muttertag verschenken Johannes Hager und Ortwin Rill Blumen in der Kirche.

Der Abschied vor der Kirche fiel nicht leicht – es gab noch viel zu besprechen, ehe man in der Hoffnung auf ein gesundes und frohes Wiedersehen auseinanderging– vielleicht schon 2027 in Mediasch und dann 2029 wieder zum Großen Mediascher Treffen in Deutschland!

© Die Fotos zu diesem Bericht sind von Gerhard Botsch, Werner Hann und Andreas Rosenauer.