Fritz Göckler ist 85 geworden

Fritz Göckler ist 85 geworden.

von Wolfgang Lehrer

Fritz Göckler, eines der Gründungsmitglieder der Heimatgemeinschaft Mediasch, hat im Frühjahr dieses Jahres sein 85. Lebensjahr erfüllt. Im Namen des Vorstands der HG Mediasch und der Redaktion des Mediascher Infoblatts gratulieren wir ihm auf diesem Wege ganz herzlich zu diesem schönen Jahrestag und danken ihm nicht nur für seine langjährige Mitgliedschaft, sondern ebenso auch für seine langjährige aktive Mitarbeit im Vorstand unseres Vereins. Wir wünschen ihm und seiner Familie weiterhin gute Gesundheit und freuen uns auf weitere gute gemeinsame Jahre in der HG Mediasch.

Fritz wurde am 23.04.1941 als Sohn von Mathilde, geb. Kraus und Friedrich Wilhelm Göckler in Mediasch in der Baderau geboren. Es war eine glückliche Zeit, zumindest fühlte sie sich noch so an, obwohl schon mitten im zweiten Weltkrieg.

Fritz´ Vater war Architekt mit eigenem Baugeschäft und konnte so der jungen Familie – es gehörten noch eine ältere und zwei jüngere Schwestern dazu – eine eigene Wohnung an sein Elternhaus anbauen und ihr ein angenehmes Umfeld schaffen. Fritz erinnert sich sehr gerne an diese Zeit. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges begann für die Familie eine sehr schwere Zeit, verbunden mit einem überaus schmerzlichen Verlust. Fritz‘ Vater wurde im Januar 1945 zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert, von wo er nicht mehr zurückkehrte. Er erkrankte schwer und verstarb im Februar 1947 in Petrovka im Alter von 41 Jahren.

Fritz´ Mutter, allein mit vier kleinen Kindern, hatte in der Folge sehr schwierige, belastete Jahre zu bewältigen, da sie nicht nur die Kinder zu versorgen hatte, sondern auch in der Lederfabrik als Arbeiterin Geld verdienen musste. Auch wenn es eine entbehrungsreiche Zeit war, blickt Fritz gerne auf seine Kindheit und die Schuljahre mit den zahlreichen Spiel- und Schulgefährten zurück, die ihn die vielen Einschränkungen des Alltages vergessen ließen.

Nach Beendigung der Volksschule hätte Fritz, aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Familie, eigentlich arbeiten und Geld verdienen sollen. Seinen Lehrern aber war es gelungen, einen Großonkel von Fritz, den Gärtner Hans Wurmlinger, zu überzeugen, die Familie finanziell zu unterstützen, damit Fritz weiter zur Schule gehen und das Gymnasium besuchen konnte.

Dank dieser glücklichen Umstände wurde Fritz auch mein Klassenkamerad und Schulfreund, mit dem ich, zusammen mit dreißig anderen Jungen, vier Jahre lang in dieselbe Klasse ging. Dass die Unterstützung durch Herrn Wurmlinger während der Schulzeit und später auch während des Studiums bestens investiert waren, kann ich bestätigen. Fritz war während der ganzen Schulzeit einer der besten Schüler, mit durchgehend hervorragenden Noten, zudem auch ein guter Sportler, so dass Mitschüler wie Lehrer ihm Achtung und Respekt entgegenbrachten.

Nach der Abiturprüfung 1959 folgten 5 Jahre Studium an der Polytechnischen Hochschule in Klausenburg mit der Fachrichtung Bauwesen, das er mit dem Examen als Diplomingenieur im Bauwesen abschloss. Wie es in der sozialistischen Wirtschaft üblich war, erhielten Hochschulabsolventen nach dem Studium einen Arbeitsplatz zugewiesen. Über die Zuteilung eines Arbeitsplatzes zu einem lokalen Bauunternehmen in Hermannstadt durfte sich Fritz zunächst freuen, konnte dort aber notgedrungen nur eine kurze Zeit bleiben.

Das Jahr 1965 brachte für Fritz, wie für die ganze Familie, traurige und schmerzhafte Einschnitte. Zu Beginn des Jahres 1965 verstarb sein Großonkel Hans Wurmlinger, im Oktober seine jüngste Schwester Edith an Leukämie, kurze Zeit danach im Dezember 1965 auch noch seine Mutter an totaler Erschöpfung, mit nur 56 Jahren. All diese traurigen Ereignisse veranlassten Fritz seine Arbeitsstelle in Hermannstadt aufzugeben, in ein Bauunternehmen in Mediasch zu wechseln und nach Hause zurückzukehren.

In der Folgezeit war Fritz nicht nur im Beruf erfolgreich, auch im privaten Leben begegnete ihm das Glück. Er lernte Ingeborg Barthmes kennen und lieben,1968 heirateten sie und es wurde eine glückliche und harmonische Ehe, nun schon seit fast 60 Jahren. Beiden wurden 2 Kinder, Elke (1969) und Klaus (1971), geschenkt, die das Familienglück vervollständigten.

Erwähnt werden muss auch, dass die Familie, die in der Baderau wohnte, in den Jahren 1970 und 1975 mit den Folgen von zwei großen Überschwemmungen der Kokel zu kämpfen hatte und dass große Anstrengungen nötig waren, um diese bewältigen zu können. Tatkräftig und zuversichtlich überstand die Familie auch diese Schicksalsschläge.

Fritz, stets ein sehr sozial orientierter Mensch, kümmerte sich in Mediasch intensiv darum, die sächsische Gemeinschaft zusammenzuhalten und die evangelische Kirche in Mediasch zu unterstützen. Von 1978 bis 1990 wurde er in die Gemeindevertretung der evangelischen Kirchengemeinde gewählt und war auch lange Zeit im Presbyterium tätig.

Der Sturz des sozialistischen Systems und die politische Wende 1990 führten dazu, dass Fritz und seine Familie sich, nach reiflichen Überlegungen, dazu entschlossen, in die Bundesrepublik auszuwandern. Bekanntlich ist ja kein Anfang leicht, aber da viele treue Freunde aus der Mediascher Zeit ihn und die Familie mit Rat und Tat bei der Bewältigung der Anfangsschwierigkeiten unterstützt haben, gelang das Einleben im neuen Umfeld weitgehend problemlos.

Fritz´ Frau Ingeborg fand schon im August 1990 im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart eine Arbeitsstelle als Physiotherapeutin. Er selbst besuchte anfangs einen Aufbaulehrgang für Bauwesen in Stuttgart und bekleidete danach eine Stelle in der Verwaltung des Pharmazeutischen Großhandelsunternehmens Gehe. Das Arbeitsklima in dieser Firma war angenehm und kollegial, so dass Fritz gerne bis zu seiner Verrentung im Mai 2005 in der gleichen Firma blieb.

Nach einigen Jahren hatte die Familie sich im Stuttgarter Raum niedergelassen, 1996 in Eberdingen ein Eigenheim erworben und dort ihr Zuhause gefunden. Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass Fritz´ Urgroßvater Johann Georg Gökeler mit seiner Familie, zu der seine Frau und acht Kinder gehörten, 1846 aus dieser Gegend nach Siebenbürgen ausgewandert ist. 150 Jahre später kehrte sein Urenkel, mit etwas verändertem Namen, als Siebenbürger Sachse ins Schwabenland zurück.

Nun genießt Fritz zusammen mit seiner Frau die Zeit mit Lesen, Musik hören, Reisen (wo sie überall schon waren!) und seinem Hobby, dem Fotografieren. Besonders freuen sie sich auf die Besuche der Kinder. Diese sind auch längst fertig mit dem Studium, haben geheiratet und auch schon je zwei Kinder. Wenn alle zusammenkommen, wird gefeiert und man kann sich vorstellen, dass die Großeltern sich freuen, wenn mit ihnen fröhliche Lebendigkeit bei ihnen einzieht.

Fritz ist in seinem Herzen auch heute, mit 85 Jahren, jung geblieben und seine Verbundenheit zu Mediasch und sein Interesse an der Gemeinschaft der Mediascher noch immer so tief und lebendig, wie sie es seit jeher war. Als die Heimatgemeinschaft als eingetragener Verein 1999 gegründet wurde, gehörte Fritz Göckler zusammen mit seiner Frau zu den ersten, die dem Verein beitraten und ihn von Anfang an unterstützten. Viele Jahre war er aktiv im Vorstand der Heimatgemeinschaft tätig, wobei er sich insbesondere für die Friedhofspflege und für den Kontakt zur Diakonie und der evangelischen Kirche in Mediasch einsetzte. Auch wenn er sich im Mai dieses Jahres aus der direkten Mitarbeit im Vorstand der HG zurückgezogen hat, wird er mit Sicherheit mit größter Aufmerksamkeit die Entwicklung des Vereins verfolgen, und ihn, wenn möglich, weiterhin nach Kräften dabei unterstützen.

Beim Mediascher Treffen in Kufstein und in Dinkelsbül 

Aktiv in der Heimatgemeinschaft bei der Vorstandswahl und in der Vorstanssitzung